Mit meinen engsten Freunden Frank, Günter, Peter und Wolfgang grübelte ich über neue Fluchtmöglichkeiten nach.
Uns allen war die Gefährlichkeit eines solchen Unternehmens bewusst, zu viele hatten schon diesen Schritt mit dem Leben bezahlen müssen.
An der Grenze gab es kein Pardon; sie schossen auf alles, Was sich im Grenzbereich bewegte.
Jeder Grenzdurchbruch ist mit allen Mitteln zu verhindern, so die tägliche Vergatterung der Grenzer. Deshalb mochten wir diese Uniformierten nicht.
In Gaststätten, auf der Strasse oder im privaten Umfeld hatten sie alle ein Gesicht. Man konnte mit ihnen sprechen, sie fühlen.
Auf ihrem Posten an der Grenze fehlten ihre Gesichter. Willenlos erfüllten sie jeden Befehl, töteten, egal, ob jung oder alt, Mann oder Weib.
Die Bilder von dem Fluchtdrama des 18-jährigen Peter Fechter hatten wir noch genau im Gedächtnis.
Vor aller Welt ließen diese Mörder den Jungen verbluten. Alle schauten zu, keiner half, ein traumatisches Erlebnis für mich.
So wollten wir nicht enden, das war uns schon klar. Nur welcher Fluchtplan war sicher?
Ein Restrisiko blieb immer, der Gedanke an ein Misslingen wurde verdrängt.
Kurz vor Weihnachten 1963 fragte mich mein Freund Wolfgang, ob ich mit ihm sofort nach Westberlin flüchten wolle.
Dies hielt ich für einen Witz, zumal er mir keine konkrete Information gab.
Auf blauen Dunst schien mir diese Sache zu wage.
Ich lehnte ab, und er verabschiedete sich mit den Worten:
"Du bekommst Nachricht von mir."
Mitte Januar 1964 bekam ich von meinem Freund Wolfgang tatsächlich aus Westberlin eine Postkarte mit folgendem Wortlaut:
"Hallo Kalle,
wie Du aus dieser Karte entnehmen kannst, weile ich nicht mehr unter Euren Reihen.
Kannst Du mir die Adresse von Goofy geben, ich möchte ihn einmal besuchen.

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