Am Tag begann oft gegen 8 Uhr die Vernehmung und lief bis 13 Uhr. Dann ging es zurück zurück in die Zelle, in der ich, zwar mit Widerwillen, doch mit wachsendem Gleichmut das Mittagessen einnahm.
Anschließend ging es wieder zur Vernehmung, die bis etwa 18 Uhr dauerte. Zurück in der Zelle nahm ich mein Abendbrot zu mir.
Dieses bestand aus folgendem: Fünf Tage lang gab es vier Schwarzbrotscheiben mit einer hauchdünnen Margarineschicht, sonst nichts.
Mittwoch, gab es zusätzlich ein Stück Harzerkäse, der nur mit Mühe in der Schüssel zu halten war, da er voller Maden war. Er bewegte sich von allein.
Teilweise gab es als Leckerbissen einen Brathering ohne Tunke der noch gebogener als die Schüssel war.
Samstag oder Sonntag, so genau weiß ich das nicht mehr, gab es ein Stück Wurst, so dünn und trocken, dass einem das "Herz" aufging.
Über soviel Zuwendung war ich immer wieder auf`s Neue gerührt. Mit seinem Zellenkameraden spricht man über den nicht zu Ende gehendenden Tag.
Über seine Vernehmungen sprachen wir nicht, da unsere Zellen abgehört wurden. Dies bekam ich nach verhältnismäßig kurzer Zeit mit.
Jedes Wort von uns wurde mitgehört. Ich äußerte einmal nur meine Verwunderung darüber, dass meine Aussagen spätestens nach drei Tagen von meinem Vernehmer widerlegt wurden, und ich ihm immer wieder was anderes sagen musste.
Das machte mich schon sehr stutzig. Eine Erklärung hatte ich nicht dafür.
Was ich nicht wusste, war dies: Wir hatten eine "Laus im Pelz", und zwar einen Oberschüler aus der Max-Planck-Oberschule, der einen österreichischen Pass hatte: Gerd Menner, geb. am 25.03.1944 in Wernigerode.
Dieser Menner, ein Kumpel von meinem Freund Wolfgang, lieferte mich total ans Messer.

 

zum Buch - back to the book